St. Ansgar Minden

Lage und Geschichte

Die alte Bischofs- und Hansestadt Minden liegt an einer leicht passierbaren Weserfurt, nördlich der „Porta Westfalica“, der westfälischen Pforte, einem Durchbruch der Weser durch das Hügelgelände des Wiehengebirges. Eine Besiedlung des Mindener Raumes reich bis in die mittlere Steinzeit zurück. Um die Zeitenwende war das Gebiet vom Stamm der Cherusker bewohnt, deren Feldherr Arminius den Römern im Jahre 16 n. Chr. bei der Schlacht im Teutoburger Wald eine vernichtende Niederlage bereitete.

Entscheidende Impulse zur Stadtgründung gingen von der Gründung des Bistums Minden um das Jahr 800 aus. 798 wird Minden anlässlich eines Weserüberganges Karls des Großen erstmals als „Minda“ genannt. Einer alten Sage nach erschienen Karl der Große und sein damaliger Gegenspieler Herzog Wittekind nach ihrer Versöhnung als Taufpaten der Stadt. Wittekind besaß an der Stelle, an der Karl der Große einen Dom bauen wollte, eine Burg. Daraufhin gab Wittekind Karl die Hälfte seines Besitzes mit den Worten: „Min und Din soll dieser Ort sin“. Aus diesem „Min – Din“ soll der Name „Minden“ entstanden sein. Während der folgenden Jahrhunderte beeinflussten die Mindener Bischöfe nicht nur als Seelsorger, sondern auch als Politiker die Stadt und das Bistum. Am 19. März 977 übertrug Kaiser Otto ll.in einer Urkunde dem Mindener Bischof Milo alle Rechte über die Stadt, so das Recht des Königsbannes, der Errichtung einer Münzstätte und der Zollerhebung.

Die ältesten ergrabenen Siedlungsspuren im Stadtgebiet reichen bis ins frühe 11. Jahrhundert zurück. Die geographisch ausgezeichnete Lage am Schnittpunkt bedeutender Handelswege von West nach Ost und von Süd nach Nord sowie an der schiffbaren Weser führten schon sehr früh zum Beitritt der Stadt zum Bund der Hanse.

Während der Reformation nahm der größte Teil der Bürgerschaft den evangelischen Glauben an. Durch einen Vergleich im Jahre 1535 zwischen der Stadt, dem Bischof und dem Domkapitel blieb der Dom, die Mutterkirche von St. Ansgar, katholisch, wogegen alle übrigen Kirchen der Stadt lutherisch wurden.

Nach dem westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück im Jahre 1648 gelangte Minden unter brandenburgischen und preußischen Einfluss. Der die Stadt umgebende Festungsgürtel verhindert eine Ausdehnung der Stadt darüber hinaus. Auf dem Gelände, das heute weithin zum Sprengel von St. Ansgar gehört, tobte während des Siebenjährigen Krieges die „Schlacht von Minden“, die am 1. August 1759 hier entschieden wurde. 1816 wurde Minden Regierungssitz der Provinz Westfalen.

Durch den Bau des Mittellandkanals in den Jahren 1914-1917, die hier das breite Bett der Weser überquert, wurde Minden an das internationale Wasserstraßennetz angeschlossen. Für die St.-Ansgar-Pfarrei sind die Weser und der Kanal nicht nur als Pfarrgrenze von Bedeutung, sondern auch für die alljährlich im Sommer durchgeführte Schiffsprozession zu Ehren des heiligen Ansgar.

Entstehung von St. Ansgar

„Grundstein für eine Stätte des Friedens und des Segens für viele Generationen“, so lautet die Überschrift im „Mindener Tageblatt“ am 24.September 1962. Im Nordwesten der Stadt Minden entstand in dieser Zeit das größte Wohnbaugebiet. Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten und aus Südosteuropa, aber auch Angestellte und Beamte des Bundesbahnzentralamtes und Soldaten der Bundeswehr kamen in die Stadt, darunter viele Katholiken. Das bewog die Domgemeinde, nach der Gründung der St.-Paulus-Gemeinde, eine weitere katholisch Kirchengemeinde in Minden ins Leben zu rufen. Die Grundsteinlegung nahm Domkapitular Propst Josef Parensen vor. Wo 1759 die „Schlacht von Minden“ getobt hatte, entstand nun unter dem Patronat des heiligen Ansgar, des Apostels des Nordens, eine neue Kirchengemeinde.

Das 1ha große Kirchengelände liegt im Norden der Stadt, außerhalb der alten Stadtmauern, jenseits des Mittellandkanals, etwas abseits der alten Ausfallstraße, der „Stiftsallee“. Die Kirche steht eingebettet zwischen der Siedlung „Kuhlenkamp“, die 1939 errichtet wurde, der neuen Siedlung am Kanal „In den Bärenkämpen“ und der neuen Schiffersiedlung „Stiftsallee-Feldmark“ mit ostdeutschen Flüsse Namen in einem „Ökumenischen Viertel“, des Straßen z.B. nach Martin Luther, Melanchthon, Tilly, Bugenhagen, Bonifatius, Maximilian Kolbe und St. Ansgar benannt sind. Der Patron der Kirche „St. Ansgar“ war Benediktinermönch, der im 9. Jahrhundert in der Erzdiözese Paderborn wirkte. 822 war er aus Corbie in Frankreich nach Corvey an die Weser gekommen. Als erster Missionar ging er zu den heidnischen Wikingern nach Dänemark und Schweden und brachte ihnen unter vielen Rückschlägen den christlichen Glauben. Später wurde er Erzbischof von Hamburg und Bremen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der große „Apostel des Nordens“ auch in Minden war. Diese heimatgeschichtliche Beziehung bewegte den Seelsorger der Domgemeinde bei der Suche nach einem geeigneten Schutzpatron für die neuzugründende Gemeinde im Norden der Stadt.

Benediziert wurde die St.-Ansgar-Kirche am Allerheiligenfest, 1. November 1964, durch Domkapitular Propst Josef Parensen. Die Weihe erhielt das Gotteshaus am 27. Juni 1965 durch den H. H. Weihbischof Dr. Paul Nordhues, Paderborn. Zur Zeit der Weihe zählte die Gemeinde ca. 1500 Mitglieder. 25 Jahre danach hat sie sich auf ca. 3100 Gemeindemitglieder verdoppelt. Erster Seelsorger war vom 1. November 1964 bis 2. Oktober 1966 Pfarrer Friedhelm Wortmann. Von November 1966 bis September 2010 war Pfarrer Berthold Hennek Seelsorger der Gemeinde. Seit dem 01.10.2010 gehört die St. Ansgar Gemeinde zum Patoralverbund Mindener Land.

Architektur der Kirche

Der junge Architekt der Domgemeinde, Dipl. Ing. Werner Rösner, wurde vom Kirchenvorstand mit dem Bau der St.-Ansgar-Kirche, des Pfarrhauses und des Turmes beauftragt. Der Grundriss der Kirche ist ein gleichschenkliges Kreuz. Nordische Baustoffe wurden verwendet: Holz und Naturstein aus den Oberkirchner Sandsteinbrüchen heben die Kirche von der Umgebung ab und geben dem Innenraum Wärme und Geborgenheit. Damit die mit 12 m Innenhöhe 1962-1964 erbaute Kirche von den benachbarten Häuserblocks nicht überhöht wird, wurde 1965 neben der Kirche ein 25 m hoher Campanile erbaut.

Grundriss der Kirche

Campanile

Der Kirchenturm aus Stahlbeton musste bereits 1988 saniert werden; leitender Architekt war dabei Dipl. Ing. Hans-Werner Lachwitz, Porta Westfalica. Umwelteinflüsse hatten an vielen Stellen den Beton abplatzen lassen und die Eisen darunter offen gelegt. Alle kreuzförmigen Betonwaben wurden herausgeschlagen und der ganze Turm mit Kupferblechscharen ummantelt. Die Glockenstube ist jetzt mit Holzlamellen parallel zu den Außenflächen der vier Turmwände versehen. Bei der notwendigen Sanierung hat der Turm gleichzeitig ein edleres Aussehen erhalten. Auch die Tonqualität des Geläutes wurde durch die neue Glockenstube verbessert.

Den Turm bekrönt jetzt ein schlankes Kupferkreuz; golden leuchten die fünf Wunden vom Kreuz herab; Leid wird durch die Auferstehung erlöst; Wer aufblickt, darf hoffen. Unter dem Querbalken des Kreuzes bewegt sich als Wetterfahne ein vergoldetes Wikingerschiff. Im Bug des Schiffes steht der Apostel des Nordens, der „Heilige Ansgar“. Dieses Schiff fährt immer gegen den Wind, denn viele Widerwärtigkeiten musste der Heilige auf sich nehmen, aber nie hat er resigniert. Er blieb seinem Wahlspruch treu: „Ich habe keine Angst!“

Die vier Glocken im Ansgar-Turm läuteten erstmals am Fest der „Verkündigung des Herrn“, am 25. März 1983. Dieser Tag war gleichzeitig der Eröffnungstag des „Heiligen Jahres der Versöhnung“. Gegossen wurden die Glocken in der Gießerei „Petit & Edelbrock“, Gescher/ Kreis Coesfeld. Der Zusammenklang des Geläutes ergibt das „Te Deum/ Gloria Motiv“. Alle vier Glocken haben ein neugotisches Schulterflies aus stehenden Linien (Höhe 3,8 cm), am Schlagring verläuft die Inschrift: „ST. ANSGAR MINDEN 1983“. Christkönigs- Glocke, Ton f, 960 kg. Relief: Christkönig (28,5 cm h), darunter die Inschrift: „ICH BIN DER HERR, DEIN GOTT!“- Marien- Glocke, Ton as, 530 kg. Relief Maria (27 cm h), darunter die Inschrift „SIEHE, ICH BIN DIE MAGD DES HERRN!“ – Ansgar- Glocke, Ton h, 340 kg. Relief Ansgar (20cm h), darunter die Inschrift: “HAB KEINE ANGST!“ – Heilige-Geist-Friedens-Glocke, Ton des, 240 kg. Relief Friedenstaube mit Zwerg (11 cm h), darunter die Inschrift „DER FRIEDE SEI MIT EUCH“!

Portale

Einen anderen Zugang zum Glauben geben die 1989 geschaffenen Portale zu Kirchturm und Kirche. Die kupfergetriebenen Türen stammen aus der Werkstatt der Bildhauer und Silberschmiede Michael und Christof Winkelmann in Möhnesee-Günne. Idee und theologische Beratung hatte Pfarrer Hennek von der St.-Ansgar-Gemeinde.

Tür zum Kirchturm.„Jakobs Traum von der Himmelsleiter“ ist hier das Thema. Wichtiger als die Optik ist die Botschaft: Jakob, ein Mensch auf der Flucht, ein Mensch in Sünde und Angst, ein Mensch am Ende seiner Kraft. Er wird von Gott nicht fallengelassen. Er stürzt nicht ins Nichts ab, im Gegenteil: Gott sendet ihm seine Engel, seine Boten. Er bekommt eine Leiter. Er kann aus der tiefsten Tiefe in die höchste Höhe, bis zu Gott steigen. Er kann sich an den Sprossen festhalten. Er kann Abgründe überwinden, Feindschaft und Hass. Er kann sich wieder mit seinem Bruder versöhnen und tut es auch. Für jeden Menschen hält Gott solch eine Leiter bereit.

Hauptportal der Kirche.Die beiden Flügel des Hauptportals bilden zusammen ein „Christus- und Marienportal“ (1). Auf der linken Seite die „Wurzel Jesse“: Aus dem schlafenden Jesse erwächst ein Baum, in dessen Mitte Maria mit dem Kind steht. Der Baum rundet sich ab. Tod und Kreuz sind überwunden. Christus steht als Hirte und Lehrer in seiner Kirche. Schon Isai weist auf ihn hin, der uns vom Alten zum neuen Bund, von der Erde zum Himmel, von der Zeit in die Ewigkeit mitnehmen will. Isai weist hin auf den, der die Welt überwindet, der die Grenzen sprengt, ins Göttliche hineinnimmt. Daneben stehen der „Vater des Glaubens“, Abraham, und David mit der Harfe, dankend, lobend und als Büßer. Die rechte Seite ist das „Marienportal der Kirche“. Es zeigt nach der geheimen Offenbarung des Johannes (Kapitel 12) die Frau, mit der Sonne bekleidet, den Mond zu ihren Füßen und einen Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Im Hintergrund der Petersdom in Rom und der Paderborner Dom, davor betende Menschen. Der mehrköpfige Drache greift an und ist zum Teil schon in die Kirche eingedrungen. Im unteren Drittel der Tür ist die moderne Welt angedeutet in drei Autos, die in entgegengesetzte Richtung fahren, als Christus mit seinem Kreuz geht. Sein Weg führt zu Petrus mit dem Himmelsschlüssel (Mt 16,18). „Ich aber sage dir: Du bist Petrus der Fels – auf diesem Fels werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“. Auch der Völkerapostel Paulus, der danebensteht, wird diese Botschaft verkünden und viele christliche Gemeinden gründen. Noch mehr! Die Tür will sagen: Es lohnt sich, den „guten Kampf“ zu kämpfen, denn wenn man nun die Tür öffnet, kann man bis zum Altarraum schauen mit dem großartigen Bild vom „himmlischen Jerusalem“ (Off. 21,9 ff.), zu dem Gottes Volk unterwegs ist.

Hauptportal der Kirche

Seitenportal der Kirche (2).Das Seitenportal hebt vier alttestamentliche Motive hervor. Der Beter, der durch diese Tür die Kirche betritt, sollte wissen: Abraham wurde hart geprüft, auf die Echtheit seines Glaubens abgeklopft. Er hat die Prüfung bestanden. Gott gab ihm nicht nur seinen Sohn Isaak zurück, sondern machte ihn zu einem großen Volke. Es bleibt auch heute gültig, Gott enttäuscht den nicht, der ihn mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und ganzem Gemüt liebt.

Im 2. Bild sehen wir König David mit der Harfe. Er ist der große Dichter von Lob-, Dank- und Bußpsalmen. Wie er kommen auch die Beter unserer Tage in unterschiedlicher Verfassung zu Gott. Jeder darf Gott sagen, wie ihm zumute ist. In dieses Gotteshaus darf man eintreten zu Festgottesdiensten und Bußgottesdiensten oder auch zu Trauerfeiern. Und jeder soll Anteil erhalten vom Licht des siebenarmigen Leuchters, der vor David steht, und die letzte Falte soll erleuchtet werden und alle Dunkelheit weichen.

Im 3. Bild kniet Mose vor dem brennenden Dornbusch. Er hat seine Sandalen ausgezogen. Hier ist „heiliger Boden“. Doch die Schlange der Versuchung ist noch zwischen ihm und dem brennenden Dornbusch. Soll er fragen? Soll er glauben? Soll er den Auftrag Gottes übernehmen? Viele Fragen. Mose fragt: „Wer bist Du?“ und Gott gibt ihm die schönste Antwort, die wir uns denken können. „JAHWE“ – „Ich bin, der ich bin“, „ Ich bin der, ich bin da für dich!“ Wer zur Kirche kommt, sollte wissen, Gott ist immer da für mich. Er ist immer zu sprechen; wenn Menschen schon lange keine Zeit mehr haben, ist er immer noch da.

Im 4. Bild stürzt der Tempel ein. Die Zeit der Gesetzesfrömmigkeit, die Zeit des Rechnens ist vorbei. Gnade ist angesagt. Nicht der Buchstabe ist das Maß des Glaubens, sondern die Liebe. Wer hier eintritt, empfängt Gottes Liebe, Gottes Trost und Barmherzigkeit; empfängt sein Wort und Sakrament, darf mit ihm am Tisch sitzen, darf sein Mitarbeiter werden.

Türgriffe.Die Türgriffe der Portale sind trompetende Posaunenengel aus Bronze. Sie ermuntern zum Eintritt in die Kirche und verabschieden die Gläubigen nach dem Gottesdienst mit der Zusicherung, Gott will die Seinen überall hin mit seinem Schutz begleiten.

Antonius-Kapelle

Geschichtstafel

Wer die Kirche durch die Seitentür betritt, findet gleich rechts eine dreiteilige Geschichtstafel (3). In der Mitte das Hauptfeld mit bunten Wappen und Wappensprüchen. Lebenslinien der Gemeinde werden hier aufgezeigt. Die Wappen von Papst Johannes XXIII. Ist das Größte. Unter seinem Pontifikat wurde 1962 die St.-Ansgar-Kirche gegründet. Es folgt das Wappen und der Wappenspruch des damaligen Paderborner Erzbischofs Lorenz Kardinal Jaeger und das Wappen der Stadt Minden mit dem preußischen Doppeladler und den Petrusschlüsseln des Mindener Domes sowie eine Reihe weiterer Namen und Wappen von Bischöfen und Äbten, die die St.-Ansgar-Kirche anlässlich von Weihen, Firmungen oder zur Schiffsprozession besucht haben. – Auf den Tafeln rechts und links sind chronologisch die Errichtung kirchlicher Bauwerke sowie die Anschaffung von Kunst- und Kultgegenständen verzeichnet. – Das Mittelfeld des Giebels ziert eine Bronzeplatte mit der Darstellung des Diözesanpatrons, des heiligen Liborius. Links die Stationen der Reliquienübertragung von Le Mans nach Paderborn und rechts das alljährlich stattfindende „Libori-Fest“ in Paderborn.

Die Statue des heiligen Antonius von Padua (4), dem der Vorraum der Kirche geweiht ist, steht auf einer Barockkonsole. Die aus naturbelassenem Lindenholz geschnitzte Figur ist vermutlich ein Werk der Paderborner Künstlerin Gertrud Gröninger. Der Heilige schaut liebevoll auf das Jesuskind, das auf seinem rechten Arm sitzt. Das Kind hält in der linken Hand die Weltkugel, mit der rechten segnet es den Beter. Die Figur ist ein Geschenk von Pfarrer i.R. Hubert Fernholz, der der Kirche weitere sakrale Kunstgegenstände als Vermächtnis hinterlassen hat.

Weihnachten in unserer Zeit

Neben der Glastür zur Kirche hängt ein Relief aus Lindenholz: Weihnachten in unserer Zeit (5), für das der Bildhauer Franz Kött aus Zülpich-Schwerfen bei der Krippenausstellung 1971 in Telgte einen Preis erhalten hat. Dieses Meditationsbild war bis 1975 das eigentliche Marienbild der Kirche und hat die weitere Ausstattung des Gottesraumes maßgeblich beeinflusst. Es hat gerade für die Diaspora eine besondere Bedeutung: Maria weist auf das Kind hin, das unser Erlöser und Erretter ist; dieses soll angebetet werden, nicht sie selbst! Dieser ist hineingeboren in eine Welt, so zeigt es das Bild, in der GOTT für viele Menschen im Hintergrund steht, das ATOM aber im Vordergrund. Durch Erhöhungen und Vertiefungen versucht der Künstler dem Betrachter diese Botschaft zu vermitteln. Andere Gedanken, die dargestellt sind: Christus wird in eine Welt hineingeboren, in der es HOFFNUNG, aber auch KRIEG gibt; in der es einen MARTIN LUTHER vor 450 Jahren gab und einen MARTIN LUTHER KING in unserer Zeit; wo der GLAUBE vom KOSMOS bedrängt wird; wo 1/3 der Menschheit im Überfluss (KONSUM) lebt und 2/3 der Menschheit HUNGER leidet. Christus wird Mensch für eine Welt mit einem PAPST, mit SLUMS und wenig LIEBE, mit HASS und FRIEDE, mit ÖKUMENTE und EINSAMKEIT und vielen anderen Gegebenheiten, die durch leere Erhöhungen dargestellt werden, die jeder aus seiner Lebenserfahrung ergänzen kann.

Innenraum der Kirche

Die St.-Ansgar-Kirche hat die Bauform eines gleichschenkligen Kreuzes. Durch die Architektur ist es gelungen, Altar und Gemeinde in eine sehr enge Verbindung zu bringen. Wurde die eingeschossige Sakristei von Anfang an in den nordwestlichen Winkel des Kreuzes eingebaut, so fügte man in die übrigen Winkel 1985 die „Antonius-Kapelle“ und 1989 die „Gedächtniskapelle“ sowie eine zweite Sakristei ein. Diagonalbinder aus Naturholz tragen die gesamte Deckenfläche. Den östlichen Kreuz Arm überspannt die Orgelempore. Erhellt wird der Kirchenraum durch kunstvoll angelegte Seitenfenster mit modernen Farbkompositionen. Altarraum und Empore erhalten eine zusätzliche Belichtung durch hochliegende, kleinere Fensterfelder. Die Entwürfe der Fenster stammen von Hubert Spierling, wogegen die Ausführung der Glasarbeiten die Firma Otto Peters, Paderborn, übernahm. Der westliche Kreuz Arm ist durch einige Stufen erhöht, um Altar, Ambo und Sedilien hervorzuheben.

Innenraum

Ausstattung

Der Altar (6), der Tisch des Herrn, ist aus Obernkirchner Sandstein und birgt zwei Reliquien: In die Mensa wurde am Tag der Weihe eine Reliquie des heiligen Romulus eingelassen; 1984 wurde der Altarsockel durchbrochen und durch denselben Paderborner Weihbischof Dr. Paul Nordhues in die geschaffene Nische ein kostbares Gefäß mit einer Reliquie des heiligen Ansgar beigesetzt.

Ansgar-Reliquiar (7). Am Fest des heiligen Josef, 19. März 1984, wurde im Bischöflichen Generalvikariat Hildesheim eine Reliquie des heiligen Ansgar dem Pfarrer der St.-Ansgar-Gemeinde in Minden übergeben. Reliquien des Heiligen, der im Jahre 865 in Bremen verstorben war, fanden schnell den Weg zu den Orten, mit denen der Heilige besonders verbunden war. Hier handelt es sich um den Oberschenkelknochen. Er kam ins Kloster Ramelsloh vor den Toren Hamburgs. Zur Zeit der Reformation, als das Kloster aufgelöst wurde, wurde die Reliquie nach Hildesheim verkauft. Später kam sie ins Diözesanmuseum und galt als verschollen. Nach der Wiederentdeckung durch Bischof Heinrich Maria Janssen, bewiesen durch eine kontinuierliche Dokumentation der Reliquien, aber auch durch eine Identifizierung durch Röntgenbefund sowie durch Fettsäurebestimmung und Radiokarbonmethode, bewarb sich die St.-Ansgar-Gemeinde über Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt um ein Teil der Reliquie und hatte damit Erfolg.

Ansgar-Reliquiar

Der kostbare Schatz wurde am Tag der Übergabe nach Paderborn gebracht, wo nun der Gold- und Silberschmied Walter Cohausz das kostbare Reliquiar in Form einer Truhe schuf. Die Reliquie selbst ruht in einem Zedernkästchen und wird umgeben von vier dreiflächigen Eckstücken, in Silbersterling wellenförmig ziseliert. Damit soll das Meer dargestellt werden, mit dem Ansgar sein Leben lang zu tun hatte. Mehrfarbige Emails mit „Ansgar als Schüler“ in Corbie, als „Lehrer“ in Corvey, als „Missionar“ im Wikingerboot und als „Bischof“ von Bremen und Hamburg schmücken den Schrein. Auf der Deckplatte sind vier weitere Emails zu sehen, die auf diese Szenen Bezug nehmen: die französische Lilie, ein Tintenfass mit Pinsel, ein Wikingerschiff und Mitra mit Stab und Kreuz und in der Mitte oben eine Bergkristallplatte, die den Blick auf die Reliquie freigibt.

Unter großer Anteilnahme der Mindener Bevölkerung und hoher Geistlicher und weltlicher Würdenträger wurde die Reliquie des heiligen Ansgar am 18. August 1984 nach Minden übertragen. Nach der feierlichen Übergabe im Paderborner Dom fuhr man mit dem Ansgar Reliquiar zunächst zum ehemaligen Benediktinerkloster Corvey, der einstigen Wirkungsstätte des Heiligen. Von hier aus ging es weserabwärts zur Porta Westfalica. Mit Schiffen der „Mindener Weißen Flotte“ unter Begleitung von vielen Motorbooten und Yachten fuhr die Prozession bis in den Mittellandkanal in die Nähe der St.-Ansgar-Kirche. Von hier ging es in einer feierlichen Fußprozession zur Kirche, wo das Reliquiar feierlich in der Altarnische beigesetzt wurde.

Ambo

Zur Erinnerung an die Reliquienübertragung wird seitdem jährlich mit Gläubigen, Ehrengästen und kirchlichen Würdenträgern eine Schiffsprozession auf Weser und Mittellandkanal, ein Festgottesdienst am Konzertpavillon an der Schachtschleuse sowie eine Lichterprozession gehalten. Das Datum wird jährlich neu festgelegt, gewöhnlich an einem Samstag-Abend um den 18. August.

Der Ambo (8) ist wie der Altar und der Taufbrunnen aus Oberkirchner Sandstein. Er wurde als erstes Werk 1968 von Josef Franke, Obernkirchen, für die St.-Ansgar-Kirche geschaffen. Der heilige Ansgar steht als Prediger in der norddeutschen Landschaft. Zu Füßen des Bischofs mit Mitra und Stab sein Mutterkloster Corvey/Weser, dazu ein kleines Segelboot auf der Weser Richtung Minden mit dem über 1000 Jahre alten Dom. Oben rechts die Elbe, die Hamburger Peterskirche und die Ostsee, links die Bremer Marienkirche und die Nordsee.

Taufbrunnen (9). Die künstlerische Gestaltung des Taufbrunnens stammt aus dem Jahr 1984. Josef Franke hat in den Stein biblische Themen gemeißelt: „ Der Sündenfall mit der Vertreibung aus dem Paradies“, „Die Sintflut und das Opfer des Noah“, „Mose führt das Volk Israel durch das Rote Meer in die Freiheit“, „ Die Taufe Jesu im Jordan und Evangelisten, die die Heilsgeschichte aufschreiben“. Vier Zwischenbilder stellen dar: der Tot heute, das gegensätzliche Denken, der Mensch, der auf einem Auge blind ist, und der „große Bruder“, der alles sieht (nach dem Roman von George Orwell), das sterbende Grün in der Wange und die industrielle Umweltverschmutzung, die Bombe als Nase und das Auto, das zwischen den Zähnen zermalmt wird.

Taufbrunnen

Die anderen Reliefs veranschaulichen Glaube, Hoffnung und Liebe: „Glaube“; aus dem Samenkorn, das in die Erde gelegt ist, wächst aus vier Wurzeln das Kreuz als Baum des Lebens. „Hoffnung“; der Anker geschmückt mit der Blume der Hoffnung, das Samenkorn ist aufgegangen. „Liebe“; ein loderndes Herz mit drei Flammen für Vater, Sohn und Heiliger Geist. In der Mitte des Herzens die „Rose der Liebe“, zum Zeichen der Ökumene als „Lutherrose“.

Der „Taufdeckel“ aus Bronze ist nach einem Entwurf von Josef Franke in Paderborn bei der Familie Cassau gegossen worden. Jonas, der eben das Fischmaul verlässt und seine Arme weit in Richtung des Altars ausbreitet, versucht sich auf Gott auszurichten, der Auftrag für alle Getauften.

Evangelien Thron (10). Für das kostbare Evangeliar der Kirche wurde 1985 der Evangelien Thron im Altarraum geschaffen. Der Thron selbst ist eine Art Königsstuhl, aus Lindenholz von Ludwig Christoph geschnitzt. Auch die Flügelbilder stammen von ihm, die Gemälden Albrecht Dürers nachempfunden sind: Links Petrus und Johannes, rechts Paulus und Lukas.

Maria im Rosenhag

Maria im Rosenhag (11). Die Marienfigur in der St.-Ansgar-Kirche stellt eine sitzende Madonna mit Kind dar. Die Königin des Himmels ist nach einem alten Vorbild der „Madonna Linz“ aus Lindenholz geschnitzt. In München erworben, wurde sie am 15. August 1975 feierlich geweiht. Die Umarmung mit einem Rosenhag mit Meditationssteinen schuf ebenfalls Josef Franke. Die Inschriften auf den Krustenplatten weisen hin auf GOTT, GLAUBE, HOFFNUNG und LIEBE, auf FRIEDE, FREUDE und LEBEN. Die leeren Steine lassen dem Beter Raum, seine Gedanken, Bitten und Dankesworte an ihnen festzumachen. Unterhalb des Marienbildes steht ein 14armiger Bronzeleuchter für die Opferlichter.

Kreuzweg. Der 1974 von Josef Franke geschaffene Kreuzweg lädt zu meditativem Gebet ein. Die dargestellten Personen sind auf Obernkirchner Krustenplatten befestigt. Der Weg ist in unregelmäßiger Folge durch leere Steine unterbrochen. Hier kann der Beter, wie beim Marienbild, seine und seiner Zeit Leiden festmachen und auf dem Weg Jesu mitnehmen. Wenn auch in der Kirche kein großes Kreuz zu sehen ist, wird doch jeder, der die Kirche betritt, gleich auf das Kreuz der 12. Station schauen. Bewusst wurden hier die Dimensionen größer gewählt, so dass die Station in das große Kirchenfenster hineinragt.

Kreuzweg

Die 15. Station (12) bildet mit dem Tabernakel eine Einheit. Der Auferstandene, ebenfalls von Josef Franke geschaffen, weist mit seinen ausgebreiteten Armen auf die Erlösung und seine Nachfolge hin. Die kreisrunde weiße Fläche in Form einer Hostie stellt in der Verbindung mit der Christusfigur die Gegenwart des Herrn im eucharistischen Brot dar.

Der Tabernakel aus Bronze ist in die Wand eingelassen. Die Türen sind geschmückt mit einer goldenen Sonne, in deren Zentrum ein großer Bergkristall auf den heiligen Ort hinweist.

Der von Jesus angefangene Weg über Taufe, Kreuzweg. Auferstehung findet seine Vollendung im „Himmlischen Jerusalem“ (Off 21), der 16. Station (13) des Kreuzwegs. Die große Plastik von Josef Franke an der Altarwand beherrscht in großartiger Manier die ganze Kirche. Die Stadtmauer Jerusalems mit 12 Toren und Zinnen, im Zentrum das Lamm Gottes, silbern und golden gefasst auf rotem Grund, lassen den Betrachter die kommende Herrlichkeit ahnen. Feuerzungen mit unterschiedlicher Vergoldung lassen den Kreis zu einer dynamischen Spirale werden. Von Pfingsten bis zum Vorabend von Allerheiligen ist im Zentrum nicht das Lamm, sondern eine Taube, nachempfunden der Taube des Glasfensters in der Apsis des Petersdomes in Rom, zu sehen. Um in der liturgischen Folge des Kirchenjahres den Charakter der Fastenzeit zu dokumentieren, werden die drei Bildwerke „Das Himmlische Jerusalem“, „Der Auferstehende“ und „Maria im Rosenhag“ durch Hungertücher verhängt, die die Paramenten Gruppe von St. Ansgar gefertigt hat.

Der Pantokrator, der alles geschaffen, der das Ziel unseres Lebens ist, der „Allherrscher“ ist der „Schlussstein“ im Scheitelpunkt der Kirchendecke. Das Original dieser griechischen Ikone vom Berge Athos befindet sich im Abts Thron der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede. Ludwig Christoph malte die Ikone 1985 für die St.-Ansgar-Kirche.

Beichtzimmer. Die 4 Holzreliefs von Josef Franke auf der Tür zum Beichtzimmer künden von der Barmherzigkeit Gottes: 1. Der Sohn verlässt das Vaterhaus; 2. er gibt sein Geld mit vollen Händen aus; 3. der Schweinehüter geht in sich und bereut; 4. der barmherzige Vater nimmt den Heimkehrenden in seine Arme. Das im Beichtzimmer von Egino Weinert, Köln, geschaffene Wandkreuz aus roten Emailplatten mit Bronzecorpus diente ursprünglich als Hängekreuz über dem Zelebrationsaltar der Kirche.

Orgelempore. Zur angemessen-würdevollen musikalischen Gestaltung der liturgischen Feiern wurde die St.-Ansgar-Kirche 2010 mit einer neuen Orgel ausgestattet. Auf der Orgelempore platziert, handelt es sich dabei um eine Digitalorgel der niederländischen Orgelbaufirma Johannus, Modell „Symphonica 45“. Basierend auf neuester Tonerzeugungstechnologie kann klanglich hierbei zwischen vier Stilrichtungen gewählt werden: historisch, barock, romantisch und symphonisch. Somit stehen insgesamt 4x 55 Register verteilt auf drei Manualen und Pedal zur Verfügung. Die Abstrahlung des geradezu kathedralhaften Klangs erfolgt über ein aufwändiges externes Lautsprechersystem, das hinter den Orgelpfeifenfeldern untergebracht ist.

Gedächtniskapelle

Die am 28. Januar 1990 geweihte Gedächtniskapelle ist das Vermächtnis der 1987 verstorbenen Margaretha Hellwig und ihrer Tochter Lore. Planung und Bauleitung lagen in den Händen des Architekten Dipl. Ing. Hans-Werner Lachwitz, Porta Westfalica, der seit 1969 alle Baumaßnahmen der Gemeinde geleitet hat. Die Kapelle entstand zur Erinnerung an die Wohltäter, die aus Ostpreußen stammen, und will allen Gemeindemitgliedern die Möglichkeit geben, hier ihrer Toten zu gedenken, ob sie nun in der Gemeinde verstorben oder fern der Heimat begraben sind. In einer beleuchteten Vitrine liegt das Totenbuch, das Karin Rudolphi-Schipke aus Espelkamp geschaffen hat. Die Bronzeplatten „Licht des Friedens“ und „Licht des Heils“ sind Werke des Künstlers Paul Reding, Waltrop.

Eingeladen in die Gedächtniskapelle wird der Besucher durch das barocke Tafelbild „Maria, Mutter Anna und Joachim“. Das Gemälde strahlt Wärme und Zutrauen aus. Maria, noch ein junges Mädchen, ihrer Mutter Anna zugeneigt, schaut liebevoll auf jeden, der zur Tür hereinkommt. Die Mutter legt der Tochter liebend die Hand auf die Schulter. Sie schaut über Maria hinweg, verinnerlicht mit einem Blick in die bedeutungsvolle Zukunft ihres Kindes. Sie selbst ist erdfarben gekleidet, Maria aber in leuchtendem Rot mit einem blauen Überwurf. Der Vater Joachim hinter Anna schaut gütig auf sein Kind; auch er in erdfarbenem Gewand. Zwei Putten schweben über Maria und tragen einen Blumenkranz als Heiligenschein ihrer Königin. Das Bild ist ein Geschenk von Pfarrer Hubert Fernholz an die Gemeinde (1988).

Mittelpunkt der Gedächtniskapelle ist die gefasste, 110 cm hohe Figur des Weltenrichters. Die imposante Statue mit der Weltkugel zu Füßen ist bekleidet mit einem goldenen Mantel mit rotem Futter. Die rechte Hand ist kraftvoll erhoben, während die linke schützend nach unten über das Gedächtnisbuch gerichtet ist. Visionär schaut der Herr über Welt und Zeit in die Zukunft. Drei dreifach gebündelte Strahlen um das Haupt symbolisieren seine Herrlichkeit. Diese wird noch deutlicher durch sechs Heilige aus Ost und West, die ihn umstehen. Es sind Männer und Frauen, die den Glauben an ihn überzeugend in Landschaften lebten, aus denen die Mehrheit der Gemeindemitglieder von St. Ansgar kommt. Es sind bedeutende europäische Männer und Frauen, die aus Liebe zu den Menschen ihre Heimat verließen und große Strapazen auf sich nahmen, um anderen die Botschaft der Erlösung zu bringen und vorzuleben. Diese Heiligen waren und sind Brückenbauer und Vorbilder damals wie heute, von der Zeit in die Ewigkeit und umgekehrt. Alle Statuen sind von süddeutschen Bildhauern 1989 in gotisierenden Formen aus Lindenholz geschnitzt und gefasst worden.

Die heilige Hedwig ist die Schutzpatronin der Schlesier, wurde aber auch von den Polen verehrt. Diese Frau und Mutter, die im Jahre 1174 als Tochter des Grafen Berthold IV. von Andechs geboren und im Alter von 13 Jahren mit Herzog Heinrich I. von Schlesien vermählt worden war, schenkte ihm sieben Kinder und war ihm eine geschickte Hilfe, in den schlesischen Landen das christliche Leben zu vertiefen und den kulturellen Stand zu heben. Dargestellt ist die Landesfürstin in einem schlichte roten Kleid und einem grünen Mantel. Auf dem Haupt trägt die gütig schauende Mutter eine gotische Haube. In der linken Hand hält sie, die so viele Kirchen gestiftet und den Glauben im Land der Sklaven verwurzelt hat, ein Kirchenmodell, in der Rechten hat sie ein Paar einfache braune Schuhe als ein Zeichen der Demut, weil sie so viele Wege zu den Menschen gegangen ist.

Der heilige Liborius ist der Schutzpatron der Erzdiözese Paderborn und steht zwischen dem Weltenrichter und der heiligen Hedwig. 348-397 war er Bischof von Le Mans, im heutigen Frankreich. Er war ein großer Bischof und Freund des berühmten heiligen Martin von Tours. Als im Sachsenland im Jahre 777 die Diözese Paderborn gegründet wurde und das Volk noch keine Heiligen zur Verehrung hatte, schenkte Bischof Alderich im Jahre 836 die Reliquien des sehr verehrten Heiligen der Kirche von Paderborn. Das hat einen „ewigen Liebesbund“ begründet, der bis in unsere Tage lebendig ist.

Die St.-Ansgar-Gemeinde will durch diesen Heiligen Anteil haben an diesem Bund und einer lebendigen Beziehung zum Bischof und zur Diözese. Der heilige Bischof ist dargestellt mit Mitra und Stab; er trägt eine weiße Albe und darüber einen goldenen Chormantel mit rotem Futter. In der linken Hand hält er die Bibel mit draufliegenden Steinen: Der Patron, der bei Nierensteinen angerufen wird, kann aber auch „andere Steine aus dem Weg räumen“.

Auf der anderen Seite des Weltenrichters steht die heilige Elisabeth, die Patronin von Thüringen und Mitteldeutschland, die Heilige der Caritas, der Witwen und Waisen, der unschuldig Verfolgten und aller Notleidenden. 1207 wurde sie als Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn geboren. 1221 kam sie nach Thüringen. Eine junge Frau, die Reichtum und Glück, Vertreibung und Not am eigenen Leib kennenlernte, aber daran nicht zerbrach, sondern im Gegenteil aktiv wurde im Dienste an den anderen, kann auch die Ansprechpartnerin vieler Menschen unserer Tage sein. Die Heilige trägt ein weißes gotisches Kopftuch mit Silbersaum. Sie hat ein langes, blaues Kleid an und darüber einen goldenen Mantel mit rotem Futter. Dem knienden Bettler mit der Krücke zu ihren Füßen reicht sie Brot und hält den Krug zum Trinken bereit.

Der heilige Bonifatius, der Apostel Deutschlands, soll die Verbindung zu allen deutschen Bistümern darstellen. Winfrid aus England nahm als Benediktinermönch den Namen „Bonifatius“ an. Sein Name war ihm Programm: „bonum facere“= „das Gute tun“. Er wurde ein großer Missionar und Bischof. Er gründete Kirchen, Klöster und Diözesen. Unermüdlich setzte er sich für den Glauben an Jesus Christus ein. Auf seiner 2. Missionsreise nach Friesland erlitt er mit vielen Gefährten am 5. Juni 754 in Dokkum den Martertod. Dargestellt ist der „Apostel Deutschlands“ mit schwarzem Talar, weißem Rochett und goldfarbenem Chormantel mit großer Schließe und rotem Futter. In der rechten Hand hält er den Hirtenstab mit Kreuz und in der Linken ein Schwert mit durchstoßener Bibel. Ein Mann, der für den Glauben in den Tod ging.

Der Schutzpatron Böhmens ist der heilige Johannis von Nepomuk. Aber auch die Grafschaft Glatz, die früher zu Prag gehörte, verehrte ihn. Man kennt ihn aber auch als Patron der Beichtväter und als Brückenheiligen. Wie viele „Brücken“ zwischen Völkern und Nationen, Familien und einzelnen Menschen müssen auch heute neu errichtet werden!? Er wird auch angerufen gegen Verleumdung, irrige Urteile und zur Verteidigung des guten Rufes. Der Heilige ist dargestellt als Priester mit schwarzem Talar und einem weißen Rochett, darüber eine silberne Pelerine mit Kragen und goldenem Futter. In der rechten Hand hält er, der dem gekreuzigten Herrn in den Martertod gefolgt ist, ein Kreuz. Auf dem Haupt trägt er ein vergoldetes Priesterbirett.

Der heilige Adalbert, dessen 1000-Jahrfeier 1997 in Südosteuropa, in Ungarn, in der Tschechoslowakei in Polen gefeiert wurde, ist auch der „Apostel von Preußen“. Er stammt aus einem böhmischen Fürstengeschlecht. Kaiser Otto III. hat ihn 983 zum Bischof von Prag berufen. Mit Unterstützung des Polenherzogs Boleslaw Chrobry ging er zu den Preußen, um dort den Glauben zu verkünden. Zu Tenkitten am Frischen Haff erlitt der große Bischof am 23. April 997 den Martertod. Dargestellt ist der Heilige in weißer Albe mit goldenem Chormantel und rotem Futter. In der linken Hand hält er den Bischofsstab. Doch was jeden, der die Kapelle betritt, verwundert, ist: der heilige Bischof ist dargestellt „ohne Kopf“. Der Kopf mit der Mitra ruht auf einer Bibel, die der Heilige in seiner rechten Hand hält. Sein Haupt aber war und ist Jesus Christus. Eine Botschaft, die alle angeht, die so schnell den „Kopf verlieren“.

In der der Wandvitrine steht eine 2. Ansgar Reliquie in einer Strahlenmonstranz, ein Partikel vom Kopf des Heiligen. Er stammt aus dem Kloster Corvey und wurde von Erzbischof Dr. Lorenz Jaeger 1954 Pfarrer Hubert Fernholz übergeben, der sie am Fest des heiligen Ansgar 1985 der St.-Ansgar-Gemeinde schenkte.

Die Prachtausgabe einer Echternachbibel macht mit ihren herrlichen Buchmalereien aufmerksam, wem der heilige Ansgar dient. Zum Jubiläum „25 Jahre St. Ansgar“ schenkte der Künstler Josef Franke der Gemeinde als Zeichen der Verbundenheit mit der Diözese Hildesheim ein Modell des Patrons der Diözese Hildesheim, des „heiligen Bernward“, das ebenfalls in der Vitrine zu sehen ist.

Der in Bronze gefasste Ansgar-Stein stammt, wie die Inschrift ausweist, von Birka in Schweden. Dort hat der Apostel des Nordens im Jahre 830 die erste Kirche Schwedens errichtet. Birka auf der Insel Björkö, zwei Schiffsstunden von Stockholm entfernt, war 1989 das Ziel einer Gemeindefahrt „Auf den Spuren des heiligen Ansgar“. Der Stein soll daran und an das missionarische Wirken des Heiligen in Skandinavien erinnern.

Figurengruppe Gedächtniskapelle

St.-Ansgar-Brunnen

Seit Sommer 1990 ist vor der Kirche, auf dem St.-Ansgar-Platz, eine 180 cm große Bronzefigur des Pfarrpatrons aufgestellt. St. Ansgar steht segnend auf einem von zwei großen Findlingen, die von Wasser umspült werden. Zu Füßen drei Wikingerschilde, auf seine Berufung als Missionar des Nordens hinweisend. Sein Blick auf die Kirche gerichtet, Geweiht wurde der Brunnen am 27. Juni 1990 in Anwesenheit des Künstlers Paul Reding, Waltrop, der die Figur geschaffen hat, und seines Zwillingsbruders, Peter Reding, der den Brunnen konzipiert hat.

Pfarrer i.R. Hennek